Thomas Hofmann Online

Krk, ein Reisebericht, Teil 1

Fiktion oder Realitšt?

11.07.2002 14:00

Der erste Tag auf Krk und es ist ein Alptraum. Ich irre suchend und ziellos durch die engen Straßen und Gassen des alten Zentrums von Krk. Mir ist schlecht vor Hunger. Es ist 12:00 Uhr mittags und es wäre eigentlich die beste Zeit zu essen. Ich habe heute noch nichts gegessen. Aber es ist ein fremdes Land mit einer fremden Sprache. Wenn man Glück hat, verstehen die Leute englisch. Mein Gott, wie wenig englisch ich doch kann! Noch viel seltener ist, daß jemand deutsch versteht. Die Währung ist genauso fremd, das Rechnen der Preise auf den ausgehängten Speisekarten fällt schwer. Die Umstellung der D-Mark nach Euro ist noch nicht so lange her. Selbst da rechnen die Leute zu hause jetzt noch. Ich rechne also zweimal, erst von Kuna in Euro, dann von Euro in D-Mark. Das Budget ist begrenzt. Aber das ist fast noch das kleinere Problem. Ich kann zwar die Buchstaben erkennen, aber sie ergeben keinen Sinn. Ich hätte ebensogut versuchen können, Kugellager und Schmierfett zu bestellen. Ich hätte auch dafür keine Worte gefunden oder gewußt, was was ist. Also gehe ich weiter. Ich nehme den Weg der Straßen quer zum Hang. Die anderen Straßen, die mit dem Hang verlaufen, also von unten nach oben und umgekehrt, will ich das nächste Mal gehen. Das läßt sich natürlich nicht durchziehen. Klar, wer baut schon die Straßen nach der Ausrichtung des Hanges? Oder hat gebaut? Mir wird wieder schlecht, der Hunger. Ich beschließe, abends essen zu gehen und jetzt erst mal was von den mitgebrachten Lebensmitteln zu essen. Ich habe soviel mitgenommen, daß es für die acht Tage reichen müßte. Die Karte über Krk von der Zimmervermittlungs-Agentur scheint hinten und vorn nicht zu stimmen. Ich stehe zwischen lauter alten Gemäuern von vor über 1000 Jahren und weiß nicht, wo ich bin. Schließlich finde ich doch heraus und lande an einer Stelle, an de ich bei meiner Zimmersuche schon mal vorbei gekommen bin. Das war heute morgen nach der grausamen Nacht.

Ja, sie war grausam. Aber der Schlaf hat mir zwischendurch die Augenlider zugezogen. Ich hatte Krk nach acht Stunden Autofahrt und 600 Kilometern endlich um Mitternacht erreicht. Aber wer gibt einem um Mitternacht noch Unterkunft? Richtig, niemand! Also erinnerte ich mich an den großen leeren Parkplatz, den ich bei der nächtlichen Fahrt ins Zentrum gesehen hatte. Prima, dort stand ein Lastkraftwagen, mit Anhänger, etwas abseits längs zur Straße. Ich rangierte mich rückwärts neben ihn, auf der straßenabgewandten Seite. Man wollte ja nicht etwa gleich der Polizei auffallen. Ich entledigte mich des schweißtriefenden Oberhemdes und der klatschnassen Hose, die schon seit Stunden unangenehm an meinem Hintern und den Beinen klebte und beim Einklemmen von Haut und Haaren in ihren Falten nervtötend weh tat. Mit mühe klemmte ich die Decke unter dem Lenkrad durch und zog sie zumindest bis zur Gürtellinie hoch. Es war zwar auch um diese Zeit noch heiß genug - um Mitternacht! Wann und wo ist es da noch so heiß? - Aber man wußte ja nicht, ob die Morgenstunden eine unangenehme Kühle brachten. Die Fenster ließ ich alle einen Spalt offen sowie ich das Dachfenster kippte. Dann verriegelte ich das Auto von innen und ließ mich fallen. Am Morgen halb 7 riß mich der startende Diesel des LKW aus dem Schlaf. Nach seinem Rundgang um den Lastzug machte sich der Fahrer auf die Reise. Ich döste nochmal kurz weg, bis mich dann die nun einfallende Sonne mit ihren Strahlen und ihrer Wärme gar nicht mehr schlafen ließ. Ich zog mich an, schmiß mir ein Deo unter die Achseln und begab mich auf Zimmersuche. Das war aber auch echt blöd von mir, in so ein unbekanntes, fremdes Land auf gut Glück loszufahren.

Ja damals in der Tschechei kurz nach der Wende, das war schon etwas Anderes. Die Leute da waren noch offen und alle freundlich und es war Nachsaison. Der Trubel war also vorbei und man hatte auch Zeit für die wenigen Nachzügler. Jetzt mal sind mir die Bilder von damals in die Hände gefallen. Meine liebe Frau will wohl auch von dieser schönen Zeit nun nach ihrer Trennung so gar nichts mehr wissen. [..] Wie weit kann jemand gehen? Ja die Tschechei und der Lipno-Stausee. Es war damals sehr schön dort, wir waren zu der Zeit schon zu fünft, obwohl wir für Daniel, weil er so klein war, noch das zusammenklappbare Laufgitter mitgenommen hatten. Aber zurück zu Krk.

Ich fuhr aufs Geratewohl wieder in die Stadt. Am Kreisel nahm ich gleich die erste Straße wieder weg vom Kreisverkehr. Sie führte durch eine Siedlung lauter Einfamilienhäuser. An vielen sah man Schilder mit "Apartman" oder "Sobe". Ich fuhr bis es nicht mehr weiter ging und die schmale Straße sich zwischen Büschen und Sträuchern als steiniger Feldweg im Nichts verlor. Ich drehte um und hielt beim ersten Haus. Es war kurz nach 7, als ich klingelte. Eine verschlafene Frau mittleren Alters steckte ihren zerzausten Kopf halb hinter der Tür hervor. Sie konnte ein wenig englisch. Ich machte mich verständlich und sie fragte für wieviele Personen. Als ich sagte, es sei nur für mich allein, deutete sie an, mir nicht helfen zu können, sie habe nur Apartments. Sie nannte einen mir für mich allein unverschämt hoch vorkommenden Preis. Die Preise seien hier so üblich. Sie sei noch am niedrigsten. Aber wer weiß, vielleicht war er für zwei Personen schon im Rahmen des Üblichen. Jedenfalls, DAS konnte ich auch in Deutschland haben. Was mußte ich dazu auch so weit in ein fremdes Land fahren?

Aber ich und das Nichalleinseinkönnen! Auf einer bayerischen Internetseite in einem Diskussionsforum hatte jemand den Plan eines Ossi-Treffens bekanntgegeben und nach Interessenten gefragt. Als Sachse allein in Bayern hat man natürlich Interesse. So lernte ich S. aus Landshut kennen. Wir hatten einen eher lockeren e-Mail Kontakt. Sie war lange krank, weil sie ein gebrochenes Bein hatte. Aber schließlich schafften wir es doch irgendwann, uns einmal zu treffen. Sie rief mich an und sagte, sie habe zwei Karten für das Theater in Landshut und ob ich Lust hätte. So solo und mit nur wenigen verbliebenen Freunden nach der Trennung und ganz ohne Verwandtschaft in der Nähe nimmt man soviel wie möglich von dem mit, was man kriegen kann. Ich sagte jedenfalls ja und wir trafen uns. Sie humpelte noch etwas wegen ihrem Bein. Es war ein sehr schöner Abend und das Stück, Peter Pan, hat uns sehr gut gefallen. Vorher waren wir noch auf einen Kaffee aus gewesen. Wir redeten so und sie erzählte, daß sie jedes Jahr nach Krk fährt. Sie habe da auch ganz liebe Gasteltern und es wäre da ganz toll. Und jetzt wäre es bald wieder soweit.

"Ja, fährst du da allein?"
"Ja schon."
"Ja könnten wir da nicht mal zusammen fahren und gemeinsam mal was unternehmen?"
"Ja klar!"

Sie fuhr jedenfalls zu einem Zeitpunkt, als ich noch nicht weg konnte. Nicht daß ich keinen Urlaub bekommen hätte. Das ließe sich bestimmt einrichten. Aber drei Tage später mußte ich noch an der Versammlung vom Bürgernetz teilnehmen. Es war die jährliche Mitgliederversammlung und ich hatte als Redaktionsleiter einen Bericht über die Tätigkeit unseres Arbeitskreises abzuliefern bzw. vorzutragen. Sie schickte dann eine SMS, daß sie nun losfahre und sie sei nicht erreichbar gewesen, weil ihr Telefon kaputt war. Prima! Kein Reden vorher mehr, gar nix! Als ich dann zurückschrieb, wann ich losfahren werde, kam zurück, sie sei aber in dieser Zeit (sinngemäß) sowieso nicht da weil zum Segeln unterwegs. Na Klasse! Nix von wegen behilflich sein bei Zimmersuche. Ich nehm also Geld, was ich eigentlich nicht habe um 600 Kilometer in ein fremdes Land zu fahren und mutterseelenallein die Zeit meines Urlaubes totzuschlagen. Da hätte ich auch daheim bleiben können. Zu hause kann man auch allein sein. Für weniger Geld. Und da kann man wenigstens mal Freunde besuchen. Das riet mir auch mein Kumpel Jonny. Er meinte auch, ich sei ja wohl sowas von unflexibel, weil ich es dann nicht sein lasse. Aber wahrscheinlich ist das so ein Zwang nach der Trennung. [..] Vielleicht denke ich deshalb, ich muß immer unbedingt das auch machen, was ich einmal gesagt habe. Hm. Wer weiß, ob das richtig ist.

Jedenfalls führte es mich auf Zimmersuche nach Krk. Es blieb mir ja fast nichts Anderes übrig, als an jeder Tür mit Schild "Sobe" zu klingeln und zu fragen. Das tat ich dann auch, ließ das Auto bei dem Haus stehen und ging zu Fuß. Beim nächsten Haus stand wieder "Apartman". Die Frau konnte weder englisch noch deutsch undich kein kroatisch. Aber die Tochter der Nachbarin konnte englisch. Wieder: Apartment, also für mehrere Personen und wieder ein zu hoher Preis. Wie ich später erfuhr, soll es in ganz Krk vielleicht fünf Einzelzimmer geben. Jedenfalls wurde es mir langsam zu dumm und ich fragte, wo man denn mal nach Zimmern fragen könne. Sie sagte unten am Kreisverkehr sei eine Agentur für Zimmer. Na also! Das war doch schon mal was. Ich fuhr zum Kreisverkehr, sah aber nichts. Wie immer! Aber da stand eine junge Frau in einer Uniform. Wahrscheinlich war sie sowas wie Schülerlotse, denn sie stand am Zebrastreifen. Ich hielt, stieg aus und fragte sie. Wieder das Verständigungsproblem. Ich bekam mit, sie wollte mich woanders hinschicken. sie sagte etwas von ihrer Mama und sie habe eine Agentur. Sie deutete eine Kuppe an, was ich, wie sich später herausstellte, richtigerweise als die Kuppe an der Straße deutete. Da sei die Agentur Bodulka. Sie ist wirklich nicht zu verfehlen. Sie ist direkt an der Straße in die Stadt und an der Straße steht ein Schild mit dem Namen Bodulka und dem Hinweis auf die Agentur und einen (Einkaufs-)Market.

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So kam ich zu meinem Zimmer bei Peter. Der Preis von 110 Kuna, das sind rund 16 Euro, ist okay. Naja, wir hatten damals in Tschechien für 30,- DM einen ganzen Bungalow für 5 Leute. Aber okay, da haben wir auch runtergehandelt. Die Frau dieses Bungalows gibt es übrigens immer noch und sie hat jetzt ein kleines Hotel am Lipno-Stausee.

      Radka Kastankova
      Pension - Restaurace Slunce
      38223 Cerna v Posumavi
      530
      mobil: (+420) 0602 326 771
    

Den Weg zurück vom Zentrum hab ich geschafft und das Essen von zwei einfachen Schnitten auf der Terasse kam mir vor wie ein Festmahl. Jetzt geht es mir wieder besser. Peter hat mir Gesellschaft geleistet und ein Bier spendiert. -17:00-

Vielleicht geh ich jetzt (19:20) noch zum Baden. Nachher so ab zehn wollen wir zwei noch auf der Terasse zusammensitzen und ein Glas Wein trinken.

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